Emsländische Bauernregeln

Emsländische Bauernregeln

Traditonelle Wetter- und Erntevoraussagen emsländischer Bauern

Keiner war und ist seit uralten Zeiten in seiner Existenz so auf das Wetter angewiesen wie der Bauer.
Seine Naturverbundenheit, sein Naturverständnis, aufgebaut auf überlieferte alte Erfahrungen
und Beobachtungen schuf feststehende Regeln, die Wetter- und Bauernregeln, die als uraltes

Erb- und Wandergut der Menschheit bis in ihre Uranfänge zurückreichen. Sie sind gewachsen in
unmittelbarer Berührung mit dem Boden und seinen Bedingungen und entstanden aus bitterer Lebensnotwendigkeit.
In ihrer knappen äußeren Fassung prägen sie sich dem Gedächtnis gut ein.

Der Bauer war hellhörig und hellsehend für die kleinsten Vorgänge Himmel und auf seiner Scholle.

Die ganze Natur war ihm Barometer und Wetterstation.

Unter diesen Bauernregeln nehmen die „Lostage“ eine besondere Stellung ein. An den Lostagen
soll sich das  Los der zu erwartenden Witterung eines späteren längeren oder kürzeren Zeitabschnittes entscheiden,
ob es warm oder kalt, feucht oder trocken, windig oder still sein wird. Brockhaus spricht in seinem Lexikon von 84 Lostagen.
Wenn so viele Lostage mit den Heiligen des christlichen Kalenders verbunden sind, so ist das ein Beweis,
daß die Kirche von einem bestimmenden Einfluß bei der Bildung dieser Regeln gewesen ist, was auch aus der Tatsache hervorgeht,
daß die „heilige“ Zahl vierzig als Dauer für die Wirkung eines  Lostages  mit Vorliebe angenommen wird.

Wie stellt sich nun die Wissenschaft zu diesen alten Wetterregeln?  Man hat sich mit dieser Frage oft befaßt und hat festgestellt,
daß alle Regeln, die auf astrologischer Grundlage beruhen oder irgendwie mit dem Mond
in Zusammenhang gebracht werden, in das Reich des Aberglaubens gehören. Trotzdem ist manchen Regeln,
man rechnet etwa 20 Prozent, mehr als nur ein Körnchen Wahrheit enthalten, und ihre Richtigkeit wird auch
von der wissenschaftlichen Wetterkunde bestätigt, weil sie auf der Tatsache fußen, daß das Wetter in Mitteleuropa
zwischen Perioden ozeanischer Witterung mit kühler, regnerischer Sommerwitterung und warmem,
regnerischen Winterwetter und Perioden kontinentalen Wetters mit klarer, kalter Winter- und trockener
Sommerwitterung hin und her schwankt, daß aber ein bestimmter Witterungscharakter sich gewöhnlich durch längere Zeit erhält.

Auch ist für die Wertung der Gültigkeit mancher Lostage und Wetterregeln die Gregorianische Kalenderreform
vom Jahre 1582 von Bedeutung, die gegen den Julianischen Kalender um zehn Tage voraus war, so daß gewisse,
heute zweifellos unrichtige Regeln sich noch auf den alten Kalender beziehen.
Auch der emsländische Bauer kennt eine ganze Anzahl von Bauern- und Wetterregeln.

Die nachfolgende Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Sie soll nur zur weiteren Sammlung anregen und auch dieses alte Volksgut vor der völligen Vergessenheit bewahren.

 

(Quelle: Chr. Oberthür „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…..  – Eine Plauderei über die Wettervoraussagen
des emsländischen Bauern- „  erschienen im Lingener Heimatkalender 1951, herausgegeben vom Heimat-
und Verkehrsverein Lingen/ Ems; Druck und Verlag: R. van Acken , Lingen/ Ems.
Alle nachstehenden emsländischen Bauernregeln wurden z.T. überarbeitet
und tlw. neu gegliedert  sind aber ansonsten im Anhalt an dieses Werk zusammengestellt)